Falco – Loki

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Falco

Mein erster Eindruck im Tierheim war: Nein, das ist nicht mein Hund. Glücklicherweise wirkte er nur halb so gefährlich, wie er mir geschildert wurde. Eher etwas lethargisch und uninteressiert an Allem. Die Rute hing schlaff herunter, das Fell war fest nach hinten gebürstet…den Wolfsspitz sah man, wenn überhaupt, erst auf den zweiten Blick.

Andererseits: Wer nimmt solch einen Hund? In der Reihe meiner Wolfsspitze wäre er der siebente, davon fünf mit schwierigem sozialem Hintergrund. Fast schweren Herzens sagte ich zu.

Eine Woche später kam er an, gebracht von seiner ehrenamtlichen Betreuerin, die viel mit ihm gearbeitet hatte und mich warnte, keine zu großen Erwartungen zu haben. Hatte ich nicht. Aber das, was ich sah, war schon nicht mehr der Hund im Tierheim: Keck getragene Rute, lockere Gänge, aufmerksames Gesicht. Die Warnungen seiner Betreuerin, dass er doch mal zuschnappen könnte, schienen mir übervorsichtig zu sein. Aber er hatte in seiner letzten Pflegestelle den Herrn des Hauses drei Mal in einer Woche gebissen. Gebissen – nicht geschnappt. Also doch Vorsicht.

Der erste Tag mit ihm verlief harmonisch. Klar bellte er die Pferde an, und das Mauleselchen wetzte schon die Messer… aber die waren durch einen festen Schafzaun von ihm getrennt. Und eine Katze verbrachte den Nachmittag auch auf dem Holunderbaum, während die Verständigung mit der zweiten problemlos verlief. Nachts kam er – ab jetzt heißt der Loki – einige Male an mein Bett und schaute nach, ob ich noch da bin. Und auch der nächste Morgen war völlig unspektakulär. Dem Hund schien und scheint es hier zu gefallen. Wir beide kommen hervorragend miteinander aus, die Katze sitzt nicht mehr ständig im Baum, und wenn ich den Pferde-und Eselstall sauber mache, während deren Bewohner auf der Weide sind, kontrolliert Loki jeden Stall und jede Scheune – viel Arbeit und mittlerweile ohne Schleppleine

Anlegen sollte man sich nicht mit ihm, denke ich. Aber zu mir ist er reizend und liebevoll, „klebt“ an mir und hat mich ständig im Auge. Er hat das, was er braucht, nämlich einen großen Hof zum Bewachen. Ich habe – da bin ich mir ganz sicher – einen hervorragenden Beschützer, wenn’s sein muss. Und darüber hinaus finde ich ihn hinreißend.